Rundgang
Telegraph
An der Kaje
Der "Telegraph" ist das Wahrzeichen der Stadt Brake. Das
Gebäude wurde 1846 gebaut und diente der optischen Signalübertragung
für den Schiffsverkehr von Bremerhaven nach Brake und umgekehrt
bis 1848. Dann wurde auf elektromagnetische Telegraphie umgestellt.
Nach kurzer Zeit wurde diese Nutzung eingestellt. In der Folgezeit
diente das Gebäude als Wetterstation, Spritzenhaus und sogar
als Untersuchungsgefängnis. 1960 wurde dann hier aufgrund einer
Initiative des Braker Zahnarztes Dr. Fritz Carstens das Schifffahrtsmuseum
der oldenburgischen Weserhäfen eröffnet.
Erdgeschoss
Nur in historischen Räumen wird Geschichte, auch die der Seeschifffahrt,
wieder lebendig. Die zeitlich lange Dauer der Reisen, die z.B. beim
Walfang
oft mehr als 2 - 3 Jahre betrug, machte bei der Rückkehr eine
rasche Weitermeldung erforderlich. Deshalb wurde hier die optische
Telegraphie eingerichtet.
Fast alle Gegenstände hier im Raum sprechen von den großen
Gefahren auf den Fahrten. Am Eingang steht ein besonders schönes
Modell eines großen Kriegsschiffes aus der Zeit des 30jährigen
Krieges. Es stellt das schwedische Schiff "Vasa" dar.
Irgendwo war immer mit Krieg oder Piraten zu rechnen. Damit man
nicht "versehentlich" gekapert wurde, musste man "Flagge
zeigen". Direkt neben dem Modell hängt eine Flagge, wie
sie vor 200 Jahren gebraucht wurde. Zu der Zeit waren England und
Hannover in einem Königreich vereint. Deshalb enthält
die englische Flagge auch das "Niedersachsen Roß".
Kanonen gehörten zur Abwehr von Seeräubern zur Schiffs-Ausrüstung.
Eine davon wurde bei Baggerarbeiten in der Weser vor Brake gefunden.
Der Guss wurde auf ca. 1810 datiert. Daneben stehen 2 kleine Geschütze,
die auch für akustische Signale verwendet wurden, z.B. beim
Walfang, um die kleinen Fangboote bei Gefahr zu benachrichtigen.
An der linken Wandseite befindet sich ein Reliefmodel des Weserlaufs
mit den Strukturen von 1887 und 1997. Hier kann man sehr deutlich
die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte erkennen.
Links daneben sind 2 rote Fahrwasserzeichen, so genannte Backbordtonnen,
zu sehen. Die rechte Seite des Fahrwassers wurde mit grünen
Tonnen bestückt. Ursprünglich waren schwimmende Seezeichen
in Tonnenform gefertigt. Dieser Begriff ist bis heute so geblieben,
auch wenn sich die Formen der Seezeichen im Laufe der Jahre verändert
haben. Mit diesen Tonnen wurde die Fahrrinne gekennzeichnet, Untiefen
und Hindernisse markiert, um so den Schiffen einen gefahrlosen Weg
zu den Häfen vorzugeben.
Wenn man in den großen Raum weitergeht, sieht man links unter
Glas eine Kajenansicht der Stadt Brake aus dem 19. Jahrhundert.
An den Dalben machten die großen Schiffe fest. Die kleineren,
vor allem Weserkähne, konnten an der hölzernen Kaimauer
anlegen, mussten jedoch in Kauf nehmen, dass sie bei Ebbe trockenfielen.
Rechts neben dem Kajenmodell stehen 2 alte Segelschiffmodelle.
Zum einen die Kriegsbrigg "Hoffnung", 1820 in Brake und
die Brigg "Erbprinz Friedrich August" 1853 in Elsfleth
gebaut.
An dem Pfeiler in der Mitte des Raumes steht eine alte, sehr interessante
holländische Standuhr aus dem Jahre 1750 welche außer
der Zeit auch astronomische Daten anzeigt.

Daneben hängt ein Schriftstück vom 27. März 1811,
aus dem hervorgeht, dass in der französischen Besatzungszeit
auch kleinere Vergehen, wie Schmuggel, mit dem Tode bestraft wurden.
An der rechten Wandseite hängt ein großes Gemälde
von dem Maler Bernhard Winter, das den Großherzog von Oldenburg
bei der Einweihung der Braker Seehafenkaje zeigt. Nach dem Bau des
Braker Bahnhofs 1899 blieben noch einige Gelder übrig. Damit
finanzierte man dieses Gemälde. Es wurde zuerst im Braker Bahnhof
über der Fahrkartenausgabe aufgehängt. Nach einigen Zwischenstationen
fand es dann 1960 seinen Platz im Museum. Auf diesem Bild sind sehr
viele Persönlichkeiten der damaligen Zeit abgebildet.
Rechts über der Treppe ist ein Schiffsmodell der herzoglichen
Jacht "Lensahn", erbaut 1901 auf der Howaldswerft in Kiel,
zu sehen. Der Großherzog Friedrich August von Oldenburg war
der einzige Monarch mit Kapitänspatent. Er legte sein Patent
auf der Seefahrtsschule in Elsfleth ab. Darüber hängt
die oldenburgische Landesflagge mit dem großherzoglichen Wappen.
Daneben liegt ein Wrackteil der Pamir (Teil eines Rettungsbootes)
und darüber eine Original-Steuerbord-Laterne. Die Pamir wurde
1905, wie auch Ihr Schwesterschiff Passat, bei Blohm & Voss
in Hamburg für die Reederei Laeisz gebaut. Sie sank während
eines Orkans am 21.09.1957 mit einer Ladung Gerste auf dem Weg von
Südamerika nach Deutschland. Man geht davon aus, dass die als
Schüttgut eingebrachte Getreideladung verrutscht ist und den
Segler zum Kentern brachte. Von der 85 köpfigen Besatzung konnten
nur 6 Mann gerettet werden. Die Passat, wurde aufgrund dieses Unglücks
stillgelegt und liegt heute als Museumsschiff in Travemünde.
Ein weiteres Schiffsteil der Pamir (eine komplette Tür) steht
im Kellergeschoss.

Kellergeschoss
Auf dem Weg in den Kellerraum sind rechts an der Wand viele holländische
Fliesen angebracht, wie sie früher in vielen Häusern zu
finden waren.
Unten angekommen sieht am im linken Teil Erinnerungsstücke
an die Fischereizeit, als es im Unterweserraum noch viele Herings-
und Walfänger gab. Die Modelle und Bilder zeigen einen Teil
der Schiffe, die von Elsfleth, Brake und Nordenham zum Fang ausliefen.
Hier steht auch ein Modell einer Schiffsmaschine aus einem Fischdampfer.
Daneben ein Maschinenteil zur Tauwerk-Herstellung.
Die rechte Seite des Raumes erinnert an den Schulschiffverein,
der im Jahr 1900 unter Federführung des Großherzogs von
Oldenburg gegründet wurde. Aufgabe war die Ausbildung des Nautiker-Nachwuchses.
Es gab 4 Ausbildungsschiffe des Vereins:
1. Vollschiff "GROSSHERZOGIN ELISABETH", gebaut 1901,
Bauwerft Tecklenborg, Geestemünde. Wurde 1945 an die Alliierten
übergeben und liegt heute als Museumsschiff in Dünkirchen
unter dem Namen "DUCHESSE ANNE".

2. Vollschiff "PRINZESS EITEL FRIEDRICH", gebaut 1909,
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg, liegt heute als Museumsschiff
"DAR PORMORZA" in Danzig-Gdingen

3. Bark "GROSSHERZOG FRIEDRICH AUGUST", gebaut 1913,
Bauwerft Tecklenborg, Geestemünde, heute schwimmende Seefahrtsschule
im norwegischen Bergen unter dem Namen "STATSRAAD LEHMKUHL".
Dieses Schiff fährt noch mehrere Wochen im Jahr unter Segeln.
4. Vollschiff "DEUTSCHLAND", gebaut 1927, Bauwerft Tecklenborg,
Geestemünde, liegt heute als schwimmendes Ausbildungsschiff
der Seemannsschule des Landes Bremen in der Lesummündung in
BremenVegesack. Es ist auch als Museumsschiff zu besichtigen. Darüberhinaus
stehen 15 Kabinen für Übernachtungsgäste zur Verfügung.
Daneben sind einige Schiffsmodelle und -bilder von Seglern zu sehen
wie sie im 19. Jahrhundert in Brake ständig zu sehen waren.

1. Obergeschoss
Auf dem Weg in das 1. Obergeschoss sieht man an der Stirnseite
eine Reihe von Rumpf-Halbmodellen aus der Zeit von 1820 bis 1956
hängen, die von Braker und Elsflether Werften
stammen. Von diesen Modellen wurden die Maße für den
Bau der Schiffsrümpfe abgenommen, da es noch nicht so genaue
Zeichnungen gab. Hier flossen eine Menge Kenntnisse und Erfahrungen
der Schiffsbaumeister ein, die in der heutigen Zeit durch exakte
Computerberechnungen ersetzt werden.
Rechts an der Wand sind in Augenhöhe alte Seekarten aus der
Zeit von 1650 bis heute aufgehängt. Diese Karten waren damals
schon recht genau, wenn auch einige Ländereien oder Inseln
noch nicht entdeckt und somit nicht enthalten waren.
Über diesen Karten sehen Sie einige aus Holz geschnitzte Gallionsfiguren.
Darüberhinaus eine kunstvolle, ebenfalls hölzerne Heckverzierung
von dem Walfänger "Gülden Löw".
An der Fensterseite hängen Schiffslaternen wie sie auch heute
noch, wenn auch in modernerer Form Verwendung finden.
In dem Raum vor uns sind Dinge ausgestellt, die an Bord unentbehrlich
waren: Navigationsinstrumente,
Fernrohre, Lineale, Stundengläser (Sanduhren), Kompasse, Barometer,
Seekartenbehälter, Logs, ein Logbuch, nautische Bücher,
eine Bordapotheke und vieles mehr. Rechts an der Wand ist auch eine
24 Stundenuhr des Braker Uhrmachermeisters J. Hinrichsen aus dem
Jahr 1845 zu bewundern.
Der nächste Raum links, ist der Wal- und Robbenfängerei
gewidmet. Von Brake aus fuhren viele Schiffe zum Fang aus. Viele Bilder zeugen
von den beschwerlichen und auch gefährlichen Fahrten der einheimischen
Schiffe.
In der Mitte des Raumes steht ein imposantes Modell des Braker Walfängers
"Azaria", gebaut ca. 1850 und rechts der Wal- und Robbenfänger
"Flora", gebaut 1817. Von kleinen Ruderbooten aus wurden
Zahn- und Bartenwale von Hand harpuniert. Man musste dabei auf eine
Distanz von ca. 6 Meter heranfahren. Die Fänge wurden unterwegs
zerteilt, der Speck wurde abgeschält, eingepökelt oder
zu Tran gekocht. Alles Verwertbare wurde im Schiffsbauch verstaut
und zum Heimathafen gebracht. Besonders wertvoll waren die Walbarten,
die Sie hier an der Wand hängend sehen können.
Auch hier in Brake gab es viele Betriebe zur Weiterverarbeitung.
Original-Harpunen hängen oben an der Wand.
In der Glasvitrine ist das imposante Kopfhorn eines Narwals ausgestellt.
In der nächsten Abteilung sind eine Menge von Schiffsbildern
und -modellen
aus Brake und den Nachbarorten ausgestellt. Als Modell stehen hier
die Tjalk "Magda", Bark "Weser", Brigg "Marie",
Bark "Aeolus", Lotsenschoner "Peter", Viermastbark
"Padua" und der Dampfer "Hermann Krabb". Die
ausgestellten Bilder werden auch als "Kapitänsbilder"
bezeichnet. Die Farbfotografie gab es noch nicht, außerdem
sah ein an der Pier liegendes Schiff nicht gerade imposant aus.
Deshalb ließen die Kapitäne "ihr Schiff', zum Teil
recht stimmungsvoll, unter vollen Segeln, von einem Marinemaler,
als Erinnerungsstück malen. Auch Schiffsunglücke und -verlußte
wurden so der Nachwelt erhalten. Am Ende des Raumes sind auch Bilder
vom Übergang aus der Segelschiffs- zur Dampfschifffahrtszeit
ausgestellt. Unter anderem der erste, ganz aus Eisen in Brake 1885
gebaute Dampfer "Rheinland", ein Schiff mit Segeln und
Dampfantrieb.


2. Obergeschoss
Auf dem Weg dorthin hängen Bilderrahmen mit Flaggen aus allen
Herren Länder der letzten Jahrhunderte.
Auf dieser Etage sieht man als Erstes die Nachbildung eines kleinen
Wohnzimmers mit holländischen Fliesen,
der Nachbildung eines Alkovens, einem gusseisernen Ofen mit Wäschetrockner-Aufsatz.
Diese Art Ofen standen in der Regel im Wohnzimmer und wurden vom
Flur oder Nebenraum beheizt.
Im folgenden Rundgang sind wieder viele Schiffsmodelle der unterschiedlichsten
Art, Schiffsbilder und -querschnitte, Seekarten der Wesermündung,
Reisemitbringsel und maritime Andenken zu sehen.

3. Obergeschoss
In diesem Raum ist einiges Holzbearbeitungswerkzeug ausgestellt.
Unter anderem auch Kurvenlineale die von Schiffskonstrukteuren gebraucht
wurden. Die großen Blöcke wurden nicht an Bord sondern
an Land verwendet. Sie dienten dazu, ein Schiff auf die Seite zu
legen, um den Schiffsrumpf zu säubern und neu anzustreichen.
An der Mittelwand hängen Bilder von bekannten Braker Schiffsbaumeistern.
Im Treppenaufgang zur nächsten Etage hängen viele Schiffshalbmodelle.
Sie wirken plastischer wie ein normales Bild und waren und sind
weitverbreitet.

4. Obergeschoss
An der Wand hängen Abbildungen und Erklärungen über
die Art der optischen Nachrichtenübertragungen. Davor ein einfaches
Holzmodell einer Anlage, mit der die Signale übertragen wurden.
Als es noch keine elektromagnetische oder Funkübertragung gab,
war dies die schnellste Möglichkeit Nachrichten zu übermitteln.
Hier in Brake musste man extra für diesen Zweck ein Gebäude
errichten, während man ansonsten die vorhandenen Kirchtürme
nutzte.
An der rechten Seite ist das Uhrwerk der Turmuhr des Telegraphen-Gebäudes
zu sehen.
Auf dem Weg zur letzten Etage sehen sie rechts neben der Treppe
Stangenbohrer, mit den man Baumstämme aushöhlte. Es gab
damals keine andere Möglichkeit Rohre herzustellen.

5. Obergeschoss
Für die Bedienung der voll funktionsfähigen, optischen
Signalanlage auf dem Dach, hat man hier eine Einrichtung erstellt,
von der man nicht weiß, ob sie damals genauso aussah, weil
es darüber keine Pläne mehr gibt.
Hier können Sie auch einige Angaben finden, was die Nachrichtenübermittlung
damals gekostet hat.
Hier sind wir am Ende unseres Rundganges angelangt. Von hieraus
hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt, den Hafen, die
Weser und die Insel Harriersand.

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