Sammlungsschwerpunkt
Walfang und Fischerei
Von den oldenburgischen
Weserhäfen fuhren in den 40er bis 60er Jahren des 19. Jahrhunderts
viele Schiffe ins nördliche Eismeer und in die Südsee
zum Walfang. Die größten Walfangreedereien waren die
Stedinger Compagnie in Dreisielen,
die Aktiengesellschaft Visurgis in Oldenburg,
die Olb. Ostindische Rheederei in Brake
und A. Tobias & Co. in Brake.
In jener Zeit gehörten mehr Mut und Geschick zum Walfang als
heute. Während man heute den Wal aus einer respektablen Entfernung
mit der Harpunenkanone erlegt, mußte man damals mit dem Fangboot
bis auf wenige Meter an den Wal heranrudern, ehe der Harpunier seine
Harpune werfen konnte.
Hatte er den Wal getroffen, begann der Kampf der Bootsbesatzung.
Eine mit der Harpune ablaufende Leine bildete die Verbindung zwischen
der Schaluppe und dem Wal. Ein Schwanzschlag genügte, um das
Fangboot zu zertrümmern. Große Friedhöfe auf Jan
Mayen und Spitzbergen zeugen noch heute von den Gefahren des Walfangs.
Die Aussicht auf gute Gewinne ließ jedoch die Walfangschiffe
immer wieder ausfahren. Man verwertete den Speck des Wals, den man
schon an Bord zu Tran verkochte. Er wurde anstelle des bis dahin
üblichen Rüböls als Leuchtmittel verwendet. Außerdem
gewann man Walrat, ein klares Öl, daß zur Seifenherstellung
und für medizinische Zwecke verwendet wurde. Das seltene Ambra
aus dem Darm der Wale wurde für Parfüm gebraucht. Besonders
wichtig waren lange Zeit die Walbarten, mit denen die Bartenwale
ihre Nahrung, Krill und Plankton, aus dem Meerwasser ausfilterten.
Sie waren so elastisch, daß daraus Corsagen hergestellt werden
konnten.
Durch eine ständige Verfeinerung der Fangtechniken und Verarbeitungsmethoden,
schnellere Schiffe und die Verwendung von Harpunenkanonen wurden
die Wale dann im 20. Jahrhundert fast ausgerottet. Heute ist der
Walfang verboten oder nur in kleinen Kontingenten für "wissenschaftliche
Zwecke" erlaubt.
Am Binnenhafen in Brake steht noch ein Relikt aus der Walfangzeit,
das 1890 errichtete Packhaus der Firma Tobias. Es wurde 1992 zum
Wohnhaus umgebaut und blieb so der Nachwelt erhalten. Ursprünglich
lagerte hier die Ausrüstung der Walfangschiffe, Segel, Tauwerk,
Blöcke, Harpunen, Flensmesser (zum Abschälen der Speckschicht
der Wale), Handwerkszeug, Fangboote und was man sonst noch so brauchte.
Nach erfolgreichen Fahrten stapelten sich dort auch die Fässer
mit Tran und es gab Berge von Walbarten.

A.Tobias -Walfang- Brake
Packhaus
Um 1890 unter Verwendung der damals noch neuartigen Stahlkonstruktion
als Lagerhaus der Reederei Tobias errichtet. In dem 1992 zum Wohnhaus
umgebauten Packhaus wurden ursprünglich die für den Walfang
benötigten Ausrüstungsgegenstände aufbewahrt.

Walfangschiff "Azaria"
Eines der Walfangschiffe der Reederei Tobias, die "Azaria",
ist als Modell im Schiffahrtsmuseum Brake zu sehen. Dort kann man
auch Bilder und Grafiken über den Walfang, Walbarten, Zähne
sowie Harpunen und ein Flensmesser betrachten.



Bildergalerie Walfang
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